Die Deutsche Burschenschaft » Geschichte der DB


Schon im 17. Jahrhundert finden sich Studenten an den Universitäten ihrer Herkunft nach zusammen und bilden „Landsmannschaften“. Dabei nehmen Ehrenhändel, Rauf- und Sauflust unerträgliche Ausmaße an. Kleinstaaterei und überbetontes Stammesbewußtsein spiegeln sich in den Landsmannschaften wider.

Ab 1811 gibt es Ansätze zur Zusammenfassung der Studenten in einer überregionalen Burschenschaft,einerseits, um den Ehrenhändeln Einhalt zu gebieten, andererseits auch, um soziale und nationale Ziele durchzusetzen. Dabei spielt der Kampf Europas und insbesondere Deutschlands gegen Napoleon eine Rolle.

12.6.1815 Gründung der Urburschenschaft in Jena bei gleichzeitiger Auflösung aller Landsmannschaften. Artikulierung der Bestrebungen aus den Freiheitskriegen im Wahlspruch

„Ehre - Freiheit - Vaterland“.

Bestrebungen zur Verbesserung der studentischen Sitten (Sauf- und Rauflust). Die Burschenschaft umfaßte alle Studenten Jenas, entsprach also hierin der heutigen Studentenschaft, vertrat im Gegensatz zu dieser jedoch einheitliche Ziele.

1815 - 1819 Gründung von Burschenschaften nach Jenensischem Muster an fast allen deutsche Universitäten.

18.10.1817 Die Jenaer Burschenschaft lädt alle deutschen Studenten auf die Wartburg bei Eisenach ein. Anlaß war das 300. Jahr seit der Reformation und der 4. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig. Bekräftigung der burschenschaftlichen Forderungen auf Freiheit und Einigung Deutschlands, das damals in 38 einzelne Staaten unterschiedlicher Größe unterteilt war.

1818 Zusammenfassung aller Burschenschaften durch Gründung der „Allgemeinen Deutschen Burschenschaft“ (ADB) in Jena.

1819 Die aus der Enttäuschung über die nicht erfolgte deutsche Einigung entstandene Radikalisierung eines Teils der Burschenschaft gipfelt in der Ermordung des Schriftstellers Kotzebue durch den ehemaligen Burschenschafter Karl Ludwig Sand. Er galt als Spion des Zaren. Er warnte in einer Denkschrift vor den Universitäten als „Brutstätten der Revolution“. Der Mord ist für die Herrschenden willkommener Anlaß zu den „Karlsbader Beschlüssen“ gegen die nationale und liberale Bewegung, vor allem strenge Beaufsichtigung der Universitäten und der Presse (1848 aufgehoben). Sie führen zur Verfolgung und Auflösung der Burschenschaften, die jedoch im Geheimen weiter existieren, teilweise getarnt als Landsmannschaften. Landsmannschaften, Corps und konfessionelle Verbindungen entstehen.

1825 Aufspaltung der Burschenschaft in die „arminische“ und „germanische“ Richtung.Die Germanen sind waffenfreudig und bereit zu politischer Aktion. Sie bleiben radikal und lehnen den Fürstenstaat des Deutschen Bundes ab. Nationale und Soziale Forderungen stehen gleichberechtigt. Die Arminen sind auf die Verinnerlichung des Verbindungslebens bedacht. Sie halten politischen und sozialen Anspruch nicht mehr aufrecht und versuchen, sich mit den Fürsten zu arrangieren. Sie sind aber noch national.

1827 Die Burschenschaften entstehen wieder als „Allgemeine Deutsche Burschenschaft“ (ADB). Die Germanen setzen sich durch und schließen die Arminen aus.

1832 Hambacher Fest. Die burschenschaftlichen Farben „Schwarz-Rot-Gold“ werden zum Symbol für Freiheit, Einheit und Fortschritt. In einem Freudenfeuer werden reaktionäre Bücher, preußische Uniformen und österreichische Waffen verbrannt.

1833 Nachdem sich in studentischen Kreisen die irrige Meinung ausgebreitet hat, daß eine große Volkserhebung bevorstehe, führen einige Dutzend Studenten den „Frankfurter Wachensturm“ durch, der zusammenbricht und eine neue Phase derUnterdrückung und Verfolgung der Burschenschaft bringt.

1840 - 1848 Progreßbewegung: Radikal-demokratisches und sozialistisches Gedankengut fließt in die Burschenschaften ein und führt zur Auflösung der bisherigen Formen. Es können auch Nichtstudenten Mitglieder der Burschenschaften werden.

1848 Die Revolution wird von Burschenschaftern entscheidend mitgetragen (im Paulskirchenparlament etwa 150 Burschenschafter, darunter der Präsident von Gagen). Auf einem Fest auf der Wartburg werden weitgehende liberale Forderungen aufgestellt. Der Zusammenbruch der Revolution stürzt neben allen freiheitlichen Kräften auch die Burschenschaft in eine schwere Krise.

ab 1849 Nationale und hochschulpolitische Bestrebungen treten in den Hintergrund. Konservative Bestrebungen gewinnen an Einfluß. Viele Burschenschaften geben ihre sozialen Forderungen auf und wünschen - in welcher Form auch immer - nur noch ein einiges Deutschland herbei. Andere, insbesondere neugegründete Burschenschaften verstehen sich nur mehr als unverbindlicher Verein zur Freizeitgestaltung. Diese Burschenschaften entwickeln sich teilweise sogar zu ausgesprochen konservativen bis reaktionären Vereinigungen. Kennzeichnend: Ehrenhändel gewinnen wieder an Bedeutung. Nur ein Teil der Burschenschaften hält an den Forderungen von 1848 fest.

1859 Erste Burschenschaften in Österreich, aber dort dominieren nach anfänglichem Progreßstandpunkt radikal nationalistische Tendenzen.

ab 1861 Verschiedene Burschenschaften schließen sich, ihrer jeweiligen politischen Herkunft gemäß, zu Aktionsgemeinschaften, sogenannten „Kartellen“, zusammen. Gründung der Kartelle „Süddeutsches Kartell“ (SK), „Roter Verband“ (RV), „Grün-Weiß-Rotes Kartell“ (GWRK).

1871 Mit der Reichsgründung sehen fast alle Burschenschaften ihre Forderungen erfüllt. Man vergißt, daß man einmal Freiheit, Liberalismus, Demokratie und Abbau der sozialen Schranken gefordert hat. Die Burschenschaften unterscheiden sich zum Teil nicht mehr von den Landsmannschaften und werden überwiegend kritiklose Beifallsvereine für die Politik des Kaiserreiches.

1881 Die Universitätsburschenschaften schließen sich im „Allgemeinen Deputierten-Convent“ (ADC) zusammen.

1883 Gründung eines Konkurrenzverbandes, des „Allgemeinen Deutschen Burschenbundes“ (ADB), der bis 1934 besteht.

ab 1885 Rückwendung des ADC zu burschenschaftlichen Zielen.

1890 Gründung der „Vereinigung alter Burschenschafter“ (VaB), die die Altherrenschaften

und Ortsgruppen umfaßt.

1896 Organisation der Burschenschaften an den technischen Hochschulen im „Binger Deputiertenconvent“ (BDC) (ab 1905 „Rüdesheimer Verband Deutscher Burschenschaften“(RVDB)).

1902 „Allgemeiner Deputierten-Convent“ (ADC) nennt sich in „Deutsche Burschenschaft“ (DB) um. Einweihung des Burschenschaftsdenkmals auf der Göpelskuppe in Eisenach zu Ehren der im Kriege gegen Frankreich gefallenen Burschenschafter und der Schöpfer des Deutschen Reiches. Regeln für den Zweikampf, heute nach Wegfall des Duells durch die Ehrenordnung ersetzt.

1907 Die Burschenschaften in Österreich-Ungarn schließen sich in der „Burschenschaft der Ostmark“ (BdO) zusammen, die fast keine liberalen Merkmale hat, statt dessen Nationalismus und Rassismus.

1914 - 1918 Vertagung der Deutschen Burschenschaft

1919 In die wiederentstandene DB gliedern sich RVDB und BdO ein. ADB besteht getrennt weiter.

1921 Erlanger Verbände- und Ehrenabkommen: Beseitigung von Verruf und Tatbeleidigung

zwischen KSCV, Burschenschaft, Landsmannschaft und Turnerschaft. Abschaffung des Duells.

1927 Ausschluß von Juden aus der DB, allgemein zusehends nationalsozialistischer Kurs.

Man unterstützt Hitler zwar nicht offiziell, legt ihm aber auch keine Steine in den

Weg.

1933 Einführung des Führerprinzips in den Korporationsverbänden, darunter auch die DB. Einweihung des Ehrenmals für die Toten des Ersten Weltkrieges unterhalb des Burschenschaftsdenkmals; das Ehrenmal wurde von Bbr. Hausser Hv! entworfen und gebaut.

1934 Aufnahme des ADB in die DB.

1935 Erzwungene Selbstauflösung der DB und aller Korporationen zugunsten des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes.

1946 Allmähliche Wiederbildung von Korporationen auf dem Gebiet der westlichen Besatzungszonen (mit Ausnahme der französischen) und in Österreich.

1949 Gründung der „Marburger Arbeitsgemeinschaft Deutscher Studentenverbindungen“ unter burschenschaftlichem Vorzeichen.

1950 Wiedergründung der DB und des „Verbandes der Vereinigungen alter Burschenschafter“ (VVAB). Fechten und Farbentragen bleiben dem Einzelbund freigestellt; letzteres setzt sich aber rasch durch.

1952 Arbeits- und Freundschaftsabkommen der DB mit dem „Allgemeinen Delegierten-Convent“ (ADC) der Burschenschaften in Österreich („Welser Abkommen“).

1954 Wiedereinführung der Bestimmungsmensur auf dem Burschentag in Regensburg. In den folgenden Jahren Erstarkung und Aktivierung des Verbandes.

1958 Die DB bekennt sich auf dem Burschentag zum Grundsatz der Menschenwürde und distanziert sich von jedem Antisemitismus und Rassenwahn. Sie bedauert ihre Haltung in den zwanziger und dreißiger Jahren.

1959 Umbenennung des ADC in „Deutsche Burschenschaft in Österreich“ (DBÖ).

1961 Ablehnung der Fusion mit den Burschenschaften in Österreich auf dem Burschentag in Nürnberg. Daraufhin jahrelange Diskussion um den Vaterlandsbegriff.

1965 150-Jahr-Feier der DB in Berlin. Bildung eines Dachverbandes zwischen DB und DBÖ.

1967 ff Linksradikale verdrängen Burschenschafter aus den Asten. Die Burschenschaften streiten sich währenddessen um Mensurpflicht und Vaterlandsbegriff. 

1971 Vermeidung der Spaltung der DB durch den sogenannten „historischen Kompromiß“: Öffnung für die Aufnahme der Burschenschaften in Österreich in die DB, Abschaffung der Mensurpflicht (Fechten wird fakultativ) und Einführung des Kriteriums der Mensurreife.

1973 Verbot der Aufnahme von Wehrdienstverweigerern. Schwerste innere Spannung zwischen „liberaler“ und „nationaler“ Gruppe.

1991 Der erste BT seit 1935 findet wieder in Eisenach statt, ermöglicht durch die Vereinigung

von Bundesrepublik Deutschland, Deutscher Demokratischer Republik und ganz Berlins.

1991/92 Hilaritas ist Vorsitzende Burschenschaft der DB im Geschäftsjahr 1991/92 und leitet

den Burschentag 1992 in Eisenach.

1992 In Eisenach wird das 175. Wartburgfest durch den „Convent deutscher Akademikerverbände“

(CDA), den „Verband deutscher Corporationsverbände“ (CDK) und den „Cartellverband“ (CV) gefeiert. Die DB ist Präsidierende des Festkommerses.

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